Kurioses im Praktikum

Außerhalb von Umkleideraum und Spülküche gab es einiges an Kuriositäten (mit mehr Erfahrung finde ich die meisten der Dinge heute nicht mehr als solche aber nun ja) für mich zu erleben.

Stufe 1 im Kuriositätenkabinett:

Eines morgens kam ich zum Dienst und wurde mit der Aufgabe betreut, die abgepumpte Muttermilch für ein Kindchen warm zu machen.
M-U-T-T-E-R-M-I-L-C-H !!! So richtig aus der Brust einer Frau abgepumpt.
Für mich, mitten in der „alleswasichnichtkenneistekelig-Phase“ der Pupertät angelangt und nur mit Flaschenkindern in der Familie, war das nicht minder ekelig wie irgendwelche Fäkalien *schüttel*.
Ich vermisste einen entsprechenden Schutzanzug und extra dicke Handschuhe.
Da ich aber eine gute Praktikantin sein wollte, es ging hier schließlich um etwas mindestens so wichtiges wie den Weltfrieden, machte ich dies. Am langen Arm, mit spitzen Fingern zwar, aber das Kindchen musste nicht verhungern. Ich klopfte mir mental auf die Schultern.

Stufe 2 im Kuriositätenkabinett:

Ein anderes Mal bekam ich eine Aufgabe, die ich bereits kurz erwähnte.
Nahtklammern Reinigung.
Ich weiß bis heute nicht, bei welcher OP Art diese Klammern früher genutzt wurden. Später sah ich sie auch nie wieder, wurden vermutlich einfach durch die Tackernadeln die man heute nutzt, abgelöst.
Egal – damals gab es sie und mein erster Kontakt mit ihnen war eben dieser, dass eine Schwester mit einer Nierenschale voller Klammern zu mir kam, mir diese in die Hand drückte und in Richtung Fäkalienraum / unreiner Arbeitsraum schob. Die Erklärung zu dem was zu tun sei lieferte sie im Schnelldurchlauf auf dem Weg dorthin.

„Auf dem Rand der Spüle liegt eine Bürste, sieht so ähnlich aus wie eine Nagelbürste, nimm diese und wasch unter warmen Wasser und mit dieser Bürste die Gewebereste und Verkrustungen ab. Es darf nix mehr dran sein. Und dann siehst du da im Regal diese Tüten, hinten Papier vorne bläuliche Folie. Da tust du die immer zu zehnt rein und legst sie in die Plastikkiste zu den anderen gefüllten Tüten. Die müssen dann später in den Steri.“

Zum Glück nicht wieder Muttermilch, dachte ich nur ….

Stufe 3 im Kuriositätenkabinett:

…und in dieser war es mit meiner Körperbeherrschung fast vorbei.
Aufgenommen wurde ein Mädchen, welches nur unwesentlich älter war als ich.
Bauchweh – Unterleib, mehr hab ich von dem Zystenverdachtgeschwafel eh nicht verstanden.
Nur kurze Zeit später kam eine grünlich wirkende Schwester aus dem Untersuchungsraum und bat um Ablösung.
Die nächste ging rein und nach einiger Zeit, aber immerhin war die Untersuchung da dann auch rum, kam auch diese mit einer etwas grüngräulich wirkenden Gesichtsfarbe wieder hinaus.
Ich verstand nur etwas von OP Vorbereitung und sah dann geschäftiges Treiben irgendwo in der Nähe von Zeitlupentempo und ich meine sie waren noch immer nicht besonders rosig.
Als ich mich später fast zu fragen getraut hätte was denn mit dem jungen Mädchen los war, hörte ich die Übergabe der Schwestern:

„Ihr könnt euch das nicht vorstellen… dieser Geruch … wie kann das nur passieren … OB vergessen raus zu nehmen … unregelmäßiger Zyklus … keine Angabe, wann die letzte Periode war … nur jetzt bei erneuter Periode und dem Versuch einen neuen Tampon zu nutzen … schmerzvolles scheitern … nach 3 Tagen das Krankenhaus aufgesucht.“

Soweit ich das richtig mitbekommen habe ist dem Mädchen der verlorene Tampon operativ entfernt worden, es gab bereits irgendwelche Verwachsungen und zum Abschied eine Predigt vom Doktor.
Ich war wahrlich geschockt und mir wurde jedesmal übel wenn ich das Mädchen nur von weitem gesehen habe.

Das soll es für heute aber gewesen sein.
Beim nächsten Mal schreibe ich über ein paar sehr schöne Momente meiner Zeit dort.
Nun wünsche ich euch allen da draußen ein paar wunderbare und vor allem besinnliche Weihnachtstage.
Allen, die die Wohnbereiche und Stationen am laufen halten, ruhige Dienste.

Gute Nacht Welt!

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