Die dritte Praktikumswoche

In meiner letzten Praktikumswoche kamen die für mich damals besondersten Tage.

Ich durfte regelmäßig mit zur Versorgung der Säuglinge ins Kinderzimmer und zu den Eltern auf die Entbindungszimmer.

Uuuund…. ich durfte mit in den Kreissaal.

Als mir diese Aussichten eröffnet wurden, war ich echt von den Socken.

Natürlich hab ich im Kinderzimmer nicht sofort jedes Baby komplett versorgen dürfen. Auch dort gab es erstmal nur viele Nebenaufgaben:

Stoffwindeln falten zum Beispiel. Die Kinder damals wurden in den ersten Tagen nämlich zusätzlich zu den Pampers mit Stoffwindeln breit gewickelt.

Kettchen machen und Kleidung falten gehörte auch dazu, ebenso den Wickelplatz und die Badewanne regelmäßig zu reinigen.

Hört sich jetzt erstmal alles sehr umspektakulär an, aber glaubt mir, für Mädels in dem Alter im allgemeinen und für das Oberschwesterchen in spe im besonderen war es etwas ganz, ganz, ganz besonderes.

Ich durfte teil haben an den Momenten, in denen die Säuglinge ihren glücklichen Eltern aufs Zimmer gefahren wurden. Rooming-Inn kannte man zumindest damals dort (wir erinnern uns an den Ort von dem aus man das Fieberthermometer … ihr wisst schon…) noch nicht in der Form wie es heute üblich ist. Ich durfte dabei sein, wenn unbeholfene Papis versuchten Babyärmchen in Hemdchen zu wurschteln und dabei der Angstschweiß, vor den mit Sicherheit brechenden Ärmchen, Tellergroße Ränder in den Achseln hinterließ. Herrlich …

Auch die beiden Kreissäle bekam ich natürlich erstmal nur zur Vor- und Nachbereitung, sowie zum Essen oder Getränke bringen, zu sehen. Nun ja, es sollte noch anders kommen.

Eine der Hebammen ging dann am zweiten Tag dieser Woche mit mir zu einer werdenden Mutter die einen Termin zur Einleitung hatte und hielt das Informationsgespräch. In diesem erklärte sie ihr auch, dass ich Praktikantin sei und man mich gedenkt an dieser Geburt dabei sein zu lassen.

Ich war echt geschockt!

Ich sollte an einer Geburt dabei sein dürfen.

In diesem Moment ging mir alles durch den Kopf:

– würde ich an der Stelle dieser Frau das wollen?

– will ich so einen intimen Moment wirklich dabei sein? (Wir erinnern uns an das Pubertätsproblem mit der ihhh-bah-kenn-ich-nich-ist-ekelig-Muttermilch)

JA – ich will!

Und die Frau wollte auch! *kreiiiiiiiisch*

Ich hab mich gefreut wie ein Honigkuchenpferd und hatte mehr Angst wie Vaterlandsliebe.

Mit diesem Gefühlswirrwarr fuhr ich heim und freute mich auf den nächsten Tag.

Am nächsten Tag wieder angekommen (ach erwähnte ich schon, dass ich aufgrund der Jugendschutzgesetze damals noch so milde Arbeitszeiten wie 07:30 bis 16:irgendwas Uhr hatte), schaute ich als erstes bei „meiner Schwangeren“ vorbei. Ihr ging es gut, die Einleitung hatte bereits begonnen, war halt noch mobil unterwegs. Meine Geduld wurde auf die Probe gestellt. stellte ich mir doch vor, dass ich die Frau den ganzen Tag über im Kreissaal antreffen würde…

Pustekuchen, die war fast nur im Treppenhaus… Hintergründe dazu erklärte mir die diensthabende Hebamme aber natürlich immer brav.

Es wurde Vormittag….

Es wurde Mittag….

Es wurde Kaffeezeit….

DA …. jetzt wollte sie dauerhaft im Kreissaal bleiben. Nur rückte natürlich auch mein Feierabend näher und ich wollte doch uuuuunbeeeediiiiingt bei dieser Geburt dabei sein.

Also mal vorsichtig nachfragen, ob ich denn unbedingt Feierabend machen muss?!

Jepp … Jugendschutzgesetz!

Und wenn ich die Frau in meiner Freizeit besuche?

Grübel-laber-rhabarber….

Anruf bei den Erziehungsberechtigten des Oberschwesterchens….

Yeeees! Ich durfte bleiben!

Pünktlich zum Feierabend hab ich das Namensschild abgelegt und eine Strickjacke über gezogen und bin in den Kreissaal.

Was soll ich sagen. Es dauerte bis kurz nach 19:00 Uhr bis das kleine Menschenkind das Licht der Welt erblickte.

Mutter heult…

Vater heult…

Oberschwesterchen heult…

Welch bewegender Moment…

To make a long story short: Mutter entschied, dass Papi zwar die Nabelschnur durchschneiden durfte, OS`chen in spe aber durfte den frisch benannten Maik baden und anziehen. Auch endschied die Mutti, dass ich ebenfalls ein Foto von Maik sowie ein Familienfoto bekommen sollte und natürlich auch eins von Maik und mir.

Müde aber überglücklich ließ ich mich abholen und verbrachte die letzten 2 Tage meines Praktikums damit Maik und Mama zu versorgen (meine höchst privaten Patienten) und die Dokumentationsaufgaben anhand dieses Beispiels gezeigt zu bekommen.

Ich vermute mal, dass ich auch weiterhin andere Aufgaben erledigt habe, aber bei mir setzte ab dem Zeitpunkt der Geburt eine Übertragene-Pseudo-Still-Demenz oder sowas ähnliches ein – ich weiß es einfach nicht mehr genau.

An meinem letzten Tag dort hab ich mich würdig von allen mit einem riesen Kuchen (Personal) und einen Stofftierchen für Maik sowie ein Röschen für Mama-Maik verabschiedet.

An diesem Tag ging ich aus dem Haupteingang der Klinik, vorbei an einer (wenn auch nicht meiner) Realschule zum Bus und wusste, was ich in meinem Leben will:

Kinderkrankenschwester sein und selber Kinder bekommen.

Es sollte aber erst noch ein wenig spannend werden.

Mehr dazu demnächst!

Gute Nacht Welt!

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