Kuriosität 1

Fieber

In der Ausbildung lernt man, egal ob als KrankenpflegerIN oder AltenpflegerIN die Bedeutung von Fieber.

Man lernt die Definition und die Grenzwerte.

Man weiß dann zu unterscheiden zwischen

  • normal Temperatur
  • subfebriler Temperatur
  • Fieber
  • hohes Fieber

und man lernt auch die Wirkweise von fiebersenkenden Medikamenten.

Das scheint nach den Richtlinien des MDS nicht auszureichen. In ihren Transparentzkriterien steht unter den Punkten „Bedarfsmedikamente“ beschrieben, dass ein Bedarfsmedikament IMMER mit der Definition des Bedarfes verordnet werden muss.

Das hat in der Praxis zur Folge, dass man ärztliche Augen so groß wie Untertassen vor sich sieht, wenn man den Arzt dann bei der Verordnung doch bittet auch schriftlich festzulegen, ab wie viel °C man denn das Fieber senkende Mittel verabreichen soll.

Steht dies nicht so im Verordnungsblatt, so erhält man bei der Qualitätsprüfung die Note 5 für die Frage: „Werden ärztlich Verordnete Medikamente fachgerecht verabreicht?“

Kuriositäten Kabinett

Hallo Welt,

hier wird es in Zukunft einige schon bearbeitete Beiträge zum Thema „kuriose Vorschriften, Regelungen, Wünsche etc.“.

Ich hänge mal ein Kontaktformular auf diese Seite, vielleicht mögt ihr mir ja eigene Kuriositäten mitteilen, die ich dann, wenn ihr das möchtet, hier als Gastbeitrag veröffentliche.

Noch ein wenig Geduld, bald ist es soweit….

Es grüßt in die Welt,

Euer OSHchen

Erschreckende Erkenntnisse

Guten Abend Welt,
aufgrund eines Beitrages in einer Facebook-Gruppe bei der ich privat Mitglied bin, habe ich mir heute mal ein wenig Mühe gemacht und finde, weil mich die genauen Werte auch nochmal selbst vom Hocker gehauen haben, dass sich jeder darüber nochmal Gedanken machen sollte.

Es ging darum, dass Angehörige/Besucher oftmals Kaffee oder sogar Essen erfragen/erwarten, wenn sie zu Besuch sind und sich viele Pflegekräfte geäußert haben, die es als normal empfinden, diesen Wünschen nachzukommen. Da vielen gegen die Beitragseröffnerin ziemlich doofe Sprüche von „halben Mutter Theresas“. Worte wie „da bricht man sich keinen Zacken aus der Krone“, „was soll das denn, das kostet nur 1 Minute Arbeit“ oder auch „was suchst du in einem sozialen Beruf, wenn dir das schon zu viel ist“.

Darum habe ich Beispielhaft eine Berechnung angestellt, um uns allen mal die Augen zu öffnen.

Ich will nochmal klar stellen, dass es mir nicht um die eine Tasse Kaffee/Tee geht oder die eine Flasche Wasser, die man jemandem der z.B. gerade eine Sterbebegleitung macht anbietet, es geht mir um die „Selbstverständlichkeit“ mit der diesen Wünschen offenbar nachgegangen wird.

Alle reden alle darüber, dass die Löhne zu niedrig sind, zu wenig Personal, zu wenig Hilfsmittel da sind… Aber dann verschenken sie Kapital des Arbeitgebers.

Beispiel Berechnung:

Gehen wir mal von einem 1000 Betten Klinikum an nur einem Tag aus.
Jeder 10te Besucher möchte eine Tasse Kaffee. Das macht 100 Tassen Kaffee extra. Eine Kaffeemaschine in Krankenhausgröße hat ca. 50 Tassen intus, ergo muss man 2 Kannen extra kochen.

Dafür braucht man jeweils ein halbes Päckchen Kaffee. Macht also schonmal TÄGLICH ein Paket Kaffee Mehrverbrauch.

Das ansetzen einer Kaffeekanne mit Wasser einlaufen lassen und Filter ansetzen braucht üblicherweise (ist ja viel Wasser) 5 Minuten Arbeitszeit.

Das servieren jeder Tasse (inkl. Gespräch vorher und Hol-/Bringservice) macht sagen wir mal (die in dem Beitrag erwähnte) 1 Minute Arbeitszeit (insgesamt also 100 min plus die 10 min kochen).

Dazu kommt dann in der Regel ein Tütchen Zucker und ein Döppchen Milch (vom Großhandelspreis runter gerechnet sind das Ca. 1.09€ für Zucker und 1,20€ für Milch).
Dazu kommt später dann der Abwasch der Tassen (in die Körbe der Industriemaschine passen Ca 30 Tassen, sind wir bei runtergebrochen 3 Ladungen… Die Arbeitszeit in der Küche (3 Körbe einräumen, 2 Minuten spülen pro Korb und wieder ausräumen macht aber auch mal MINDESTENS 6 min pro Korb) und die Wasser- sowie Spülmittelkosten vernachlässigen wir in der Berechnung einfach mal, da mit dazu einfach keine Zahlen vorliegen.

Nun das Fazit:
1h & 50min Arbeitszeit
4€ für das Päckchen Kaffee
2,29€ für Milch & Zucker

(Jetzt würde ich gerne nochmal die Wasserkosten für die Zubereitung, den Abwasch und die Arbeitszeit für den Abwasch anmerken!)

Und das TÄGLICH!

Macht im Jahr 40150 min Arbeitszeit (669 Std. !!!!!)
zzgl. 2295,85€ für Kaffee mit Milch & Zucker!!!!

Hier rechne ich jetzt einfach nochmal weiter indem ich von einem Bruttoarbeitslohn (denn den kostet es den Betreiber des Krankenhauses ja nunmal) von 2750€ (Tarif) ausgehe, macht das einen Bruttostundenlohn von 16,27€.

Umrechnung der Arbeitszeit zur Fremdkaffeeversorgung macht auf dieser Grundlage dann: 10844,63€ im Jahr

Gesamtergebnis: Dieser Fiktive Arbeitgeber hat also zusätzliche Kosten von:

13 180, 48 € !!!!!!!!!

*******

(Das sind z.B.: 3 Vollelektrische Aufstehhilfen oder 5 Lifter oder 4 Pflegebetten etc etc)

Ich finde, dass es nun klar wird, wieso es eigentlich nicht gemacht werden sollte?!?
Man beachte auch bitte nochmal, dass diese Rechnung sogar noch UNVOLLSTÄNDIG ist, es fehlen (ich wiederhole):
-die Arbeitszeitberechnung des Küchenpersonals
-sämtliche Strom- und Wasserkosten
-der wirtschaftliche Verlust der Cafeteria, denn jede auf dem Bereich kostenfrei ausgegebene Tasse ist eine potentiell in der Cafeteria getrunkene Tasse Kaffee.

Mitarbeiter aus Pflegeheimen/Kliniken ohne Cafeteria und mit weniger Betten können es sich jeder ja selbst ausrechnen 😂

Das Grundproblem bleibt gleich.

Ich dachte, wenn ich mir schon die Arbeit mache, teile ich es auch mit einer großen Menge an Menschen.

Nachdenkliche Grüße darüber, wie viel Geld da wohl so verschenkt wird, dass für andere Qualitätsmerkmale herhalten könnte als NUR einer Tasse Kaffee…..

Euer heute rechnendes OSHchen

Die dritte Woche frei…

… Zum Kraft sammeln!

So langsam scheint sowas wie Entspannung einzutreten. 

Ich alte Leseratte lese zum ersten Mal nach fast 2 Jahren wieder ein Buch… auch dazu fehlte mir am Abend sonst die Lust. 

Einzige Ausnahme war vor kurzem das Comic Buch von Pharmamama. 

Dann werde ich auch endlich meiner Pflicht nachkommen und die Rezension zu dem gewonnen Buch von Pharmamama schreiben. 

Ach ja… Und dann hatte ich ja auch noch den rasierten Führer gekauft (konnte ja nicht dran vorbei gehen) aber gelesen habe ich es noch nicht. 

So…. Auf…. Die Nase wieder ins Buch!
Ich wünsche euch einen sonnigen Tag!

Euer OSHchen

Das OSHchen heute mal Ernst

Hallo Welt,

heute mag ich mal aufklären, wieso es so ruhig war die ganzen Monate.

Viel habe ich mir vorgenommen zu schreiben – tagsüber…

So viele Situationen gab es, zu denen ich mit belustigt hätte äußern können.

So viele Situationen gab es, zu denen ich gerne hier öffentlich geschimpft hätte.

So viele Situationen gab es, zu denen ich hier gerne öffentlich gejammert hätte.

Aber am Abend, daheim fehlte mir die Kraft dazu.

Die Kraft fehlte mir für den Blog, für meinen Mann, für den Haushalt, für die Regelung der Finanzen, für Hobbys, ja sogar für die Kinder…..

Es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte.

Ich musste raus kriegen, was mir die Kraft raubte.

Eingeständnisse sind ja nie so einfach, aber ich musste da trotzdem ran.

Und so fing ich an alles zu sammeln, was mir die Kraft raubte….

Ich stellte fest, dass ich den Weltbesten Ehemann habe. Er versucht mich zu unterstützen wo es nur geht, mich zu verwöhnen wo es nur irgendwie möglich ist. Erträgt meine Launen mit stoischer Ruhe, nimmt mich in den Arm wenn ich tobe oder wenn mir die Kraft fehlt irgendeinen Ausweg zu sehen. Er steht so fest hinter mir, wie es sonst nur der Fels hinter der Gebirgsziege tut.

Er ist wahrlich nicht der der mir die Kraft raubt.

Ich stellte auch fest, dass ich super tolle Kinder habe.

Natürlich hatte ich insbesondere mit meinem Sohn sehr schwere Zeiten, weil er lange ein dickes Paket auf seinen Schultern lasten hatte, aber insbesondere die letzten zwei Jahre hat er sich zu einem einfühlsamen, aufmerksamen, pflichtbewussten Teenager rausgeputzt. Nein, er war auch nicht der Räuber.

Meine Tochter, meine Kleine…. ja …. sie pubertiert vor sich hin. Ist eine eher faule sehr, sehr, sehr durchschnittliche Schülerin, die einfach noch nicht den Sinn der Schule für sich entdeckt hat. Aber sie ist eine so soziale, engagierte und herzensgute Seele.

Während andere Kinder mit 12 und 14 schon partyfeiernd, rauchend und alkoholisiert irgendwo rumlungern ist unser größtes Thema, dass nach den Back- und Bastelorgien mit den Freunden doch bitte Küche und Wohnzimmer wieder aufgeräumt werden. Nein, auch sie raubt hier irgendwie nicht wirklich etwas.

Meine Freunde? Nein… davon habe ich so tolle, geduldige Exemplare, dass ich da nun wirklich nicht von Kraftraub sprechen kann.

Bleibt  nur der Job, den ich mal genauer betrachten sollte…..

Mein Job – meine Berufung – meine Profession …. ?!?

Die soll der Krafträuber sein?????

Wie war das doch gleich mit den Eingeständnissen…. insbesondere wenn man das Übel ja EIGENTLICH soooo gerne macht?

Aber leider ist es so…. ich ging aus mir raus und versuchte die Dinge von außerhalb zu betrachten.

Ständig stand ich unter Strom… immer nur 180 km/h… hoffentlich geht es allen Bewohnern gut… war eigentlich der Arzt schon bei XYZ und hat er diesmal ordentlich verordnet… notiere: Medikamenten Blatt kontrollieren! Und hat eigentlich die Azubine ihre Aufgabe erledigt, wieso denkt sie eigentlich nicht selbst an ihre Ausbildungsmappe, ach und hat XYZ seine i.m. Injektion bekommen? Hatte ich den Dienstplan darauf abgestimmt, dass auch jemand an diesem Wochentag da war, der diese verabreichen durfte? Apropos Dienstplan: Ist die Krankmeldung von ABC eigentlich tatsächlich schon kompensiert? Notiere: lieber nochmal zählen…. Und wo zum Teufel ist das Diensttelefon? Steht das auch auf laut? Ach Mist… du musst unbedingt auch noch daran denken, die Aufgaben aus den 6 Protokollen von Freitag und Mittwoch abzuarbeiten. Da war doch noch irgendwas mit neue Verfahrensanweisung schreiben und die Langvisiten Abarbeitung der Bezugspfleger nochmal im Team ansprechen…. schon wieder haben sie von alleine ihre Evaluationen nicht gemacht. Shit …. ich weiß wie schwer sie es haben, aber verdammt noch eins, ich kann da auch nichts für… es muss halt sein.

Waaaas??? Für nächste Woche steht nun auch noch eine Begehung des Kreises an? bau- und Brandschutzbehörde? Shit… dann unbedingt nochmal morgens eher kommen und gucken ob auch wirklich nicht aus Versehen ein Rollstuhl auf dem Gang steht. Ach und die Dienstplanabrechnung vom Vormonat…. Fuck! Wo ist eigentlich das Dienstdandy schon wieder hin??? Steht es laut? Jaaa Chefin….. ich komme… natürlich kann ich „mal eben zwischendrin noch die Personalberechnung händisch ausrechnen“ weil das verfickte neue Superprogramm zur Dienst- und Personalplanung das leider nicht kann! Klar habe ich der Presseabteilung dazu schon die 298749236758972435 Mail geschrieben…. Ist ja nicht so, als wenn ich auf die Notwendigkeit dieser Funktion nicht schon bei Programmierungsbesprechung hingewiesen hätte! Fuck! Diensthandy! Wo bist du???

Ob ich die Kontrolle der Kontrolle der Kontrolle noch gemacht habe… nein, leider liegt die auf dem ca. 1m hohen Stapel von Dingen, die ich noch nach Priorität sortieren muss! Ich weiß auch dass das alles supersuper wichtig ist. Ja ich weiß, die Beratung und die Beschwerdeabarbeitung der Angehörigen des Bewohners T. werde ich natürlich am besten gestern bearbeiten… es ist ja auch echt unmöglich, dass die Fachaufsicht den leider nicht nein sagen könnenden Helfer nach einer Dreiviertelstunde Sorgen-Ohr-Bereitstellung aus dem Zimmer holt, weil aktuell gefühlt die halbe Etage klingelt und das Abendessen noch verteilt werden musste.

Nein, ich habe leider auch noch nicht die nötigen neuen Ideen in eigens erst zu entwickelnden Formulare gepresst, damit wir diese zur nächsten Sitzung mit der QM-Beauftragten vorliegen haben. Jetzt fahre ich erstmal zur meiner Familie, es ist schon wieder 18:00 Uhr… 1 1/2 Std. nach Feierabend.

8 Jahre mit Handy am Bett…

8 Jahre in denen auch nachts das Telefon klingelt, weil sich ein Mitarbeiter krank meldet.

8 Jahre in denen das Telefon nur 2 mal für zusammen 17 Tage ausgestellt war, weil ich mich im Ausland befand.

8 Jahre weiterarbeiten, nachdem die Kids abends im Bett waren. Und dabei spreche ich nicht von „vielleicht nochmal ne Fachzeitschrift durchblättern“.

1 Jahr dazwischen in dem ich krankheitsbedingt nicht nur PDL war, sondern auch EL in Personalunion.

Danach 1 1/2 Jahre, in denen ich zusehen musste, wie eine ehemals verdammt patente Chefin mit jeder Woche aggressiver wurde … und zwar mit jedem Faden, der ihr aus der Hand glitt… wenn sie auf die diversen Fachkompetenzen hören würde, würde ihre Berufsbezeichnung nun BU-Rentner lauten. Nein… sie versucht weiter und weiter und weiter…. und kann aber nicht mehr.

Sie kann stolz sein auf das, was sie im Heimchen erschaffen hat! Ein Prachtheimchen ist das…. aber es ist ihr deutlich zu viel. Alles was sie vorher im Griff und vor allem „auf dem Schirm“ hatte, artet nun in „die Kontrolle der Kontrolle der Kontrolle“ aus… natürlich schriftlich protokolliert. Alles neue Aufgaben… neue Kompetenzgruppen werden aus dem Boden gestampft… immer mehr Stunden „am grünen Tisch“, immer mehr zusätzliche Arbeit, aber nichts fällt mehr hinten runter…..

Dabei haben wir mit unseren Vorschriften von extern schon genug Arbeit am Back, die uns von unserer Kernaufgabe „dem Bewohner“ abdrängt! Aber im Heimchen steigerte sich es ins unermessliche… unerreichbare … unschaffbare…. 2 Bereichsleiter gaben in dem letzten Jahr bereits auf…. einer nach Burn-Out und lebensbedrohlichen kardinalen Problemen.

Leider… leider… leider scheint hier der Grund zu liegen…

Ich liebe mein Heimchen…. keine Frage…. aber ich kann nicht bleiben.

Vielleicht erzähle ich nach und nach mal genaueres.

Aber es ist amtlich…

Das OSHchen trennt sich von ihrem Heimchen….

Schon bald geht es neuen Aufgaben entgegen….

Und ich hoffe, dass ich dann wieder die Kraft habe, hier öfter zu schreiben.

Gute Nacht Welt,

Euer OSHchen