Umstellung …

…vom Schüler zum arbeitendem Volk.

Etwas zum schmunzeln.

 

Jaaaaa, die Umstellung ist erstmal nicht ohne.

Als Schüler hast du immer 5 Tagewoche.

Stehst, wie in meinem Fall damals irgendwann zwischen halb sieben und sieben auf.

Sitzt Mathe, Englisch Deutsch und weiteren Kram auf einer Arschbacke ab. Hast um 14:00 Uhr Feierabend und Heimweg schon hinter dir.

Die Hausaufgaben macht man spärlich selbst, ansonsten gibt es ja noch den Busweg am nächsten Morgen zum abschreiben.

Ständig Ferien.

 

Und nun willst du mit den Großen mitspielen. Gehst arbeiten.

 

Das OSHchen ging also erstmal 6 Wochen in die Krankenpflegeschule. Das war zur Eingewöhnung ganz nett. Wecker klingelte weiter zu dieser echt netten Zeit – 07:00 Uhr. Der Unterrichtstag war dann aber auch erst um 16:00 Uhr fertig, da brauchte es dann doch schon eine zweite Arschbacke.

Nur war das mit den Hausaufgaben jetzt auch nur noch alleine machbar. Also nach 16:00 Uhr noch weiter mit der Nase in die Bücher.

Aber noch war es zumindest weiter eine 5 Tagewoche.

 

Nach diesen 6 Wochen ging es dann in die praktischen Einsätze.

5,5 Tagewoche, das schloss also alle 14 Tage ein Dienstwochenende ein. Manchmal bedeutete das auch, dass man 11 Tage am Stück arbeiten musste. Dazwischen i.d.R. 2 Schultage die Woche inkl. allem Klausurkram und der Lernerei dazwischen.

Der Wecker klingelte jetzt ganze 2 Stunden früher. Um 6:00 Uhr war schließlich Dienstbeginn.

Außer man hatte Spätdienst, aber dann war man stattdessen eben auch erst um 22:00 Uhr daheim.

Der erste Urlaub stand erst am Ende der Probezeit an. Das hieß: vom 01.10. bis 15.03. arbeiteten wir die komplette Probezeit durch – bis auf die freien Tage im Monat, klar.

Und so kam der 14.03.99 im Leben des OSHchens in spe.

Dieser Tag war Tag 10 im Frühdienst am Stück auf dem Dienstplan des OSHchens in spe.

Das Ochsten in spe war am Ende der Schicht müde. Sehr müde!

Ich fiel in meinem Wohnheimzimmer aus der Dienstkleidung und landete im Bett.

Dort lag ich dann und schlief, bis ich irgendwann von alleine wieder wach wurde.

Ein Blick auf die große Bahnhofsuhr über der Tür brachte die nackte Panik! 06:45 Uhr!!!

Ich sprang auf, schlüpfte in die achtlos am Boden liegende Dienstkleidung, steckte mir während dessen die Zahnbürste in den Mund (zum ersten Mal war ich froh um die Waschbecken Ecke im Zimmer) und kämmte mir mit der anderen Hand die Haare.

Auf dem Weg zum Aufzug band ich mir die Haare zusammen.

Im Stechschritt ging ich über den Hof… es dämmerte schon….

Oben auf der Station angekommen ging ich mit Schuldbewusstem Blick ins Dienstzimmer, nicht ohne umgehend einen wasserfallartigen Schwall an Entschuldigungen los zu lassen.

Die Schwestern guckten mich nur an.

Irgendwann unterbrach mich eine und meint:

„Mädchen, lass gut sein! Geh jetzt heim, leg dich wieder ins Bett, schlaf nochmal ein paar Stündchen und morgen früh bist du dann pünktlich da. Du bist nicht zu spät. Dein Dienst beginnt in ca. 11 Stunden!“

 

Mit hochrotem Kopf ging ich wieder ins Wohnheim. Zum Abschied am nächsten Tag erntete ich viele Lacher 🙂

 

Wer den Schaden hat, hat braucht eben für den Spot nicht zu sorgen!

 

Gute Nacht Welt,

Euer OSHchen

 

Station O3 – Es wird ernst!

Auf der O3 – Kinder und Jugendorthopädie meldete sich das spätere OSHchen um Punkt 5vor6 zu ihrem ersten Dienst im Real-Life.

Vorerst musste ich natürlich erstmal den brachial schweren Weg zur Station finden.
In frisch gestärkter Dienstkleidung ging ich also aus dem Zimmer im Schwesternwohnheim den langen Flur entlang.
Fuhr mit dem Aufzug in den Keller und trat ins Freie.
Über den Innenhof der Kinderklinik musste ich quer drüber.
Danach in den Hintereingang des Gebäudes rein und mit dem Aufzug bis in den 3 Stock.
*pading* Thank you for traveling with my own feets.

Die Stationsleitung nahm mich in Empfang und stellte mir die anderen anwesenden Mitarbeiter vor.
In der Übergabe verstand ich erstmal fast nur Kauderwelsch – „3 fache 4.Tag post OP“ klang für mich ähnlich wie „32 süß-sauer bitte“ – wusste also voll Bescheid was sich dahinter versteckte, aber dass sollte sich später ändern.

Eine der anderen anwesenden Schülerinnen bekam die Aufgabe mein Navigationssystem für die ersten Tage zu spielen. Sie zeigte mir die Station mit all ihren Nebenräumen und die wichtigen Wege im Haus.

Hier sollte ich also meine Probezeit verbringen. Okay … rein ins Glück.

Was ich im einzelnen an den ersten Tagen alles so erlebt habe, weiß ich heute einfach nicht mehr – zu viel auf einmal für`s kleine OSH Köpfchen.

Aber einige Dinge vergisst man bekanntlich nie.

So war da ein kleines Mädchen, ca. 4 Jahre alt mit geistiger Behinderung. Irgendwie passte ihr Krankheitsbild nicht so ganz auf die Orthopädische Station. Man vermutete eine deutliche Überlastung im Elternhaus (die Ablehnung des Vaters spürte man sogar bei seinen Sekundenbesuchen), sie war in ihrem kurzen Leben bereits das 13te mal im Krankenhaus. Dieses Mädchen konnte nicht laufen, nicht sprechen, war sehr klein und zierlich und machte eher so den Eindruck eines 1 jährigen Kindes.

Das Mädchen hatte unter anderem kein richtiges Schmerzempfinden und biss sich – immer wenn sie eigentlich weinen wollte – quer in Daumen oder Zeigefinger. Die Finger waren schon verformt und immer wieder blutig. Man konnte immer nur dick verbinden und hoffen, dass es stand hält. Diese Maus bekam zwar immer mal wieder Besuch von ihrer Mutter, aber war auch viel alleine.
Um die Motte durfte ich mich intensiv kümmern, weil sie eigentlich gar nicht essen wollte, sich die Nasen-Magen-Sonde aber immer wieder zog. Wir wollte sie so gern von der Sonde entwöhnen, weil es natürlich auch immer eine Qual war die Sonde neu zu legen.

Schnell war Weihnachten da und auf der O3 wurde jedes Jahr, da es ja um viele geplante OPs ging, versucht die Satin zu leeren, damit so wenig Kids wie möglich über die Feiertage im Krankenhaus liegen mussten.
Wir behielten also insgesamt nur 4 Kids über die Feiertage da. Dabei die Motte.
Bei der Motte lag noch ein weiteres Kind, dass erst wenige Monate alt war und dessen Mama fast durchgehend da war.
Die Dienste über die Feiertage waren immer durch eine Schwester und eine Schülerin abgedeckt.

Mich traf es … das erste Weihnachtsfest auf Station. Und ich war nach Weihnachten dankbar darüber!

Die Motte hatte sich im Vorfeld schon sehr an mich gewöhnt und hat so langsam Fortschritte beim Essen gemacht.
In den Spätdiensten hatte ich viel Zeit zum Blödsinn machen. Motte und ich haben im Zimmer getanzt und gesungen, Buden gebaut aus dem Gitterbett und Freudensprünge für fast jeden Löffel den die Motte gegessen hat.

Am zweiten Weihnachtstag hat die Kleine zum ersten Mal von selbst auf etwas Essbares gezeigt und wollte es haben. Ich hab mich soooo gefreut, dass ich ihr davon gab. Es war ein Kuchen den die Schwestern geschenkt bekommen hatten.
Sie ass ein Stück und verlangte ein weiteres. Auch das gab ich ihr. Sie aß auch dieses, aber nicht mehr ganz.
Als dann die Schwester wieder kam erzählte ich ihr das freudestrahlend. Die Motte war inzwischen eingeschlafen.

Die Schwester verfiel in schallendes Gelächter.

Etwas verdutzt fragte ich sie, wieso sie nun lacht.

Die Antwort war logisch: Ich hatte der Motte 2 dicke Stücke „Kalten Hund“ gegeben.

Wer es nicht kennt …. in dem Rezept ist Rum … nicht zu knapp … und der Kuchen wird nicht gebacken … also is nix mit dem verflüchtigen des Alkohols.

Gute Nacht Motte … hoffentlich bist du damals nicht zu beschwipst eingeschlafen….

Motte ist zu Silvester entlassen worden. Einmal sollte ich sie noch wieder sehen. Kurz nach Silvester kam sie wieder, aber auf eine andere Station – Innere … sie hat zuhause das Essen wieder verlernt.

Wenn es Motte heute gut geht müsste sie 20 Jahre alt sein.
Ich hoffe es geht ihr gut!

Gute Nacht Welt,

Euer OSHchen

Der erste Schultag

Heute will ich mal wieder ein wenig historische Arbeit Rückblick betreiben.

Der erste Schultag kam und Oberschwester Hildegard fand sich um kurz vor „NullAchthundert“ an der Front im Klassenraum ein.

Beim betreten dessen sah sie schon einige Kandidaten im Stuhlkreis sitzen.

OSHchen in spe sagte schüchtern „Guten Morgen“, gab der Klassenleitung Frau Gnesu die Hand, schrieb sich in die Anwesenheitsliste ein und suchte sich einen Stuhl.

Als sie saß ließ sie den Blick schweifen. In Gedanken machte Oberschwester Hildegard sich Notizen:

„Sieht sympathisch aus!“

„Guckt unfreundlich!“

„Sieht sympathisch aus!“

„Sieht sympathisch aus!“

„Schwul!“

„Guckt unfreundlich!“

etc …

 

Als alle da waren begann die Vorstellungsrunde.

Siehe da, Mister Schwul sprach auch noch genau so und da er vergessen hatte sich in die Liste einzutragen konnte ich ein passendes Gangbild auch noch direkt feststellen.

Klischee – Klischee …*träller*

(Das wir mit Mister Schwul noch die geilsten Feste gefeiert haben sei hier nur am Rande erwähnt.)

Wir erfuhren viel Informatives zum Aufbau der Ausbildung, bekamen unsere Einsatzzettel, auf dem Stand in welchem Bereich wir unseren ersten praktischen Einsatz haben werden und die Schulbuchlisten und Stundenpläne.

Die Pausen waren voller Gedränge am Kaffeeautomat und schon sehr lustig.

Wir sollten eigentlich mit 31 Personen beginnen, aber eine Person zog es vor, weder den ersten noch einen der weiteren Tage dieser 3 Jahre zu erscheinen. 22 Mädels und 8 Jungs, die älteste Teilnehmerin war bereits 40, die jüngsten unter uns gerade 17.

Es war für jeden Geschmack was dabei. Ernste und humorvolle, Theoretiker und Praktiker, Sahneschnitten und Neee-Dankes.

Die nächsten 6 Wochen waren wir erstmal an die Schulbank gebunden und haben die ersten pflegerischen Einsätze in den Demo-Räumen geübt.

Wir erhielten unsere Dienstkleidung in diesen 6 Wochen und fühlten uns so ganz in weiß im Demoraum schon fast als vollwertige Kraft, immerhin hatten wir irgendwann schon perfektioniert, wie man Betten macht 🙂

Auch diese 6 Wochen gingen vorbei und man ließ uns auf die Stationen los.

Für das OSHchen ging es, hatten die Damen bei der Planung wohl noch im Kopf, dass sie eigentlich zu Kindern wollte und an die Erwachsenen erst heranwachsen muss, auf die Kinder- und Jugendorthopädie. Patienten zwischen „gerade auf der Welt“ und „junge Erwachsene“.

Es war für das OSHchen wirklich der perfekte Einstiegsbereich.

Was ich dort erlebte erzählt aber lieber ein weiterer Beitrag.

In diesem Sinne:

 

Gute Nacht Welt!

Oberschwester Hildegard

 

 

Ein Landei zieht in die Großstadt – die Ausbildung beginnt

Eines fernen Tages, Oberschwester Hildegard hat die restliche Schulzeit noch hinter sich gebracht, kam der Tag des Umzuges.

Großstadt ich komme!

Da ich den beziehungstechnischen Nebenschauplatz, nach 3 Jahren, kurz vor beginn der Ausbildung beendet hatte, musste mich eine andere Vertrauensperson fahren.

Mutti hatte  noch ein Care-Paket an Lebensmitteln gekauft, damit ich nicht verhungere und schon ging es mit Sack und Pack los.

Leider standen wir ewig im Stau, so dass ich erst weit nach der, mit der zuständigen Wohnheim-Hauswirtschafterin, vereinbarten Zeit ankam.

Die Frau war weg und ich hatte offiziell nun für kommende Nacht kein Zimmer.

Leider hinterließ sie auch keinen Schlüssel irgendwo für mich und so hab ich mich dann, mit Ausbildungsvertrag ausweisend, in der Klinik rumgefragt, bis mir jemand ein Zimmer für eine Nacht zuwies. Zum Glück war dieses Zimmer im selben Gebäude, in dem auch mein späteres Wohnheimzimmer sein würde. In diesem Gebäude, gebaut wie ein Seitenschenkel der Kinderklinik, war die Aufteilung nämlich wie folgt:

EG: Schule für Kranke und Besucherkindergarten

1. OG: Kinderkrankenpflegeschule

2. OG: Schwesternwohnheim (grundlegend für die Kinderkrankenschwestern, mit  mir waren dann nur 3 Krankenschwesternschülerinnen dort)

3. OG: Elternzimmer

In einem der Elternzimmer habe ich also meine erste Nacht verbracht.

 

Am nächsten Morgen um 9:00 Uhr kam der Hauswirtschafts-Drachen und brachte mir meinen Schlüssel.

Sie ging mit mir noch bis zur Eingangstür der 3. Etage, öffnete diese und zeigte von dort aus den langen Flur hinunter:

So, das letzte Zimmer hinten links ist Ihres. Und denken Sie noch mal an die Hausordnung, die Sie unterschrieben haben: Herrenbesuch hat um 22:00 Uhr das Haus zu verlassen.

Das schien in ihren Augen der einzig wichtige Punkt zu sein *gg*

Dann ging sie weg.

Gut dass sie weg ging.

Kaum fiel hinter mir die Glastür ins Schloss, ging schräg gegenüber meines neuen 12qm Wohntraumes nämlich die Tür auf und es trat ein blonder, nur mit Boxershorts bekleideter Typ (Handtuch über der Schulter, Kulturbeutel in der Hand und pfeifend) aus der Tür, ging 2 Türen weiter ins Gemeinschaftsbad und sagte im vorbeigehen nur kurz „Morgen!“

Alles klar, dachte ich mir, die sehr streng geschriebene Hausordnung wurde hier also eher frei interpretiert *gg*

Ab jetzt hatte ich noch 2 Tage Zeit mit einzurichten und die anderen Mädels kennen zu lernen.

Rückblickend betrachtet bin ich noch heute dankbar, auf diesem Bereich gelandet zu sein.

*Cut*

 

Die ersten Bewerbungsgespräche

Anfang des zehnten Schuljahres kamen die ersten 2 ordentlichen Rückmeldungen auf meine Bewerbung: Vorstellungstermine!

Uiuiui… welch ein Fest. Ich war so aufgeregt. Es muss so viel dafür organisiert werden. Die Termine waren ja nicht grad nebenan.  Und überhaupt!

Mein erster Gedanke war: Ich musste shoppen! Frau will ja ordentlich bekleidet sein bei so einem Termin.

Der zweite war: Hildegards Freund, nennen wir ihn mal Hans, musste Urlaub nehmen und mich fahren.

Also alles eingestielt und vorbereitet.

Termin 1:

Das einzige, wohl etwas kleinere Krankenhaus, in dem ich mich beworben habe (hier: auch die einzige wissentliche Bewerbung zur normalen Krankenschwestern Ausbildung, nicht Kinderkrankenschwester), um eine alternative zu haben, sollte mich doch die Angst vor meiner eigenen Courage packen. Vielleicht würde ich mich ja doch nicht trauen in die Großstadt zu ziehen. Es war bei uns auf dem Land. Katholischem Land! Und so wurde ich von einer der leitenden Nonnen begrüßt.

Ooooooh meiiiiiiin Gott! Genauso dunkel wie das Kleid der Nonne waren auch die Gänge in diesem Krankenhaus. Ein uraltes Gebäude, von außen wunderschön, aber von innen gruselig.

Ich erfuhr, dass man aufgrund des Lehrplanes diverse Instanzen/Fachbereiche absolvieren muss und dieses kleine Krankenhaus davon natürlich nur einen Bruchteil abdeckte. Deshalb gäbe es Kooperationshäuser. Das wiederum hieß für die Pflegeschüler, Umzüge – mehrfach!

1 Ausbildungsjahr: Standtort des Arbeitgebers

Dann: Umzug in den Rhein-Sieg-Kreis für 9 Monate

Dann: Umzug an den Rhein für 9 Monate

Dann: die letzten 6 Monate wieder ab ins katholische Ländchen

Das wollte ich nicht. Sagte also erstmal nix, aber mir war klar, dass ich diese Bewerbung zurückziehen werde.

Enttäuscht bin ich heim.

 

Termin 2:

Großstadt …DIESE Stadt! Meine Wunschstadt, da von hier aus mein Ländle und somit Familie und Freunde auch ohne Tagesreise zu erreichen wären.

Riesen Klinik – Riesen Bewerbungsdesaster *lach*

Dort hatte ich mich als Kinderkrankenschwester beworben. 

Im Vorstellungsgespräch saß ich 3 Personen gegenüber: Schulleitung, zukünftige Klassenleitung und Personalchef der Azubis.

Nach ein wenig Smalltalk fragte mich die Schulleitung auf einmal, wieso ich mich mit dem Wunschberuf Kinderkrankenschwester denn an dieser Klinik beworben hätte? Ich hätte mich an der zwar dazugehörenden, aber eben einzeln Verwalteten Kinderklinik in der Querstraße bewerben müssen. Allerdings sei ihnen das auch erst jetzt in der direkten Vorbereitung des Gespräches (quasi just in diesem Moment) aufgefallen, sonst hätte man mich ja weiter geleitet.

Ich war ein wenig verwirrt und hörte erstmal weiter zu. Man erzählte mir, dass die Kinderkrankenpflege aber nur einen Kurs jährlich ausbilde und man auch schon für die Startjahre 1999 und 2000 ausgebucht sei. 1998 käme für mich in sofern ja sowieso nicht in frage, weil man immer im April beginnen würde und ich ja bis Juni noch in der Schule sei.

Man erwähnte auch, dass man als ex. Krankenschwester später noch in 2 Jahren statt 3, die Kinderkrankenschwester zusätzlich erlernen könne.

Ich rechnete flink durch („2 1/2 Jahre Wartezeit auf den Platz + 3 Jahre Ausbildung = Kinderkrankenschwester“ im Verhältnis zu „3 Jahre Ausbildung Krankenschwester + 2 Jahre Zusatzausbildung“= Krankenschwester UND Kinderkrankenschwester) und sagte:

Ach wissen Sie, ich glaube ja, dass in der Erwachsenenpflege viele Männer und alte Leute zu finden sein werden, so viel unterschied zu kranken Kindern macht dass dann ja gar nicht. 

Die Lacher waren, zumindest von den 2 anwesenden Frauen, auf meiner Seite. 

Das mein Mundwerk manchmal schneller ist als mein Köpfchen war hier mal wieder bewiesen. 

Der Personalchef wollte dann unbedingt wieder trockenernst werden und fragte, ob ich ihm sagen könne, was man in letzter Zeit in den Medien denn so von dem Berufsstand der Pflege im politischen Sinn gebracht hätte.

Ich überlegte mal wieder gar nicht   nicht lang und sagte wahrheitsgetreu frei raus:

Nun, Nachrichten höre ich eigentlich nur morgens im Radio … während ich meine Haare töne … also quasi nur nebenher … 1/2 Ohr sozusagen … aber in dem Pflegeberuf geht es doch eigentlich immer nur um Personalmangel und fehlenden Nachwuchs, also hier ist der Nachwuchs.

Mit diesen Worten hatte ich es mir bei diesem Mann eindeutig verscherzt.

Aber die beiden Frauen … ja, die wollten mich haben.

Man schickte mich ein bißchen raus, holte mich wieder rein und fragte, ob ich ein Wohnheimzimmer mieten wollte!

*strike* … ich hatte eine Ausbildungsstelle! In meiner Wunschstadt!

Ich freute mir ein Loch in den Bauch und lief zum Auto.

Hans wartete geduldig und freute sich so gar nicht … ich hatte aber keine Augen für beziehungstechnische Nebenschauplätze. 

Ich war da wie der kleine Drache Grisu: Ich will Feuerwehrmann Oberschwester Hildegard werden! Basta! Egal was mir im Weg steht!

Mit diesem Gedanken fuhren wir heim.

 

 

 

Praktikum beim Doktor Teil 2

Nach so vielen Jahren weiß ich natürlich nicht mehr alles haargenau, aber gewisse Dinge vergisst man eben nicht und die mag ich euch heute erzählen.

Allgemeine Praktikumsaufgaben habe ich ja schon im Krankenhauspraktikum üben können, so dass ich umgehend vertraut wurde mit folgenden hochwichtigen Dingen:

  • Unauffällig hinterm Thresen stehen und beobachten
  • Karteikarten aus den Schubladen suchen
  • Arzthelferinnen und Doktor mit Kaffee versorgen
  • Patienten aus dem Wartebereich in den Behandlungsraum begleiten
  • passende Karteikarte auf dem Arzttisch platzieren
  • Patienten mit dem Urinbecher zum WC bringen und die Durchreiche zeigen
  • Tür aufhalten
  • Frühstück kaufen gehen
  • Unauffällig und ohne im Weg zu stehen im Labor zuschauen (echte Kunst auf geschätzter Raumgröße von 1,5 x 4m, inkl. im L-Stil eingebauten Arbeitsflächen)
  • im Wartebereich die Spielzeugkiste gefühlte 50 mal am Tag wieder einräumen
  • Zeitungen sortieren

Im Laufe der 2 Wochen bekam ich aber auch wirklich viel gezeigt und erklärt.

So habe ich dort zum Beispiel das Blutzucker messen gelernt. Man was hab ich in diesen Wochen gezittert, wenn ich mit der Lanzette (Stechhilfe und feine Nadel??? Was`n das?) in die Ohrläppchen stehen sollte.

Bei so einige alten Damen hatte ich aufgrund der labberigen, dünnen Ohrläppchen echte Sorge, ich würde durch das Läppchen durch direkt in meinen Finger stechen. Ist zum Glück nie passiert. Nicht zuletzt wohl auch durch meine Art, mir die dünnsten Ohrläppchen so origamitechnisch zurecht zu falten, dass ich immer genug Spielraum hatte.

Wenn ich heute darüber nachdenke, was es für ein Stress war Blutzucker zu messen, mit diesen scheißenempfindlichen Geräten von damals (ich nannte sie heimlich Vampir weil sie solche uuuuunmengen an Blut brauchten).

  1. Ohrläppchen desinfizieren
  2. Gerät einschalten
  3. Stäbchen einstecken
  4. dabei niemalsnienicht mit dem Finger an die Kontaktstelle kommen
  5. Lanzettenverpackung öffnen
  6. Tupfer abreissen
  7. Ohrläppchen falten und anstechen
  8. ersten Tropfen verwischen
  9. (scheiße…. Gerät ist aus …. hab zu lange gebraucht … immer diese Zitterei beim piecken)
  10. also Stäbchen wieder aus dem Gerät ziehen und neu einstecken – Finger weg von der Kontaktstelle!
  11. gucken ob noch Blut aus der Stichstelle kommt ohne dass man all zu viel drücken muss (böööööses Gewebswasser, böööööse)
  12. Glück gehabt: dann gehts weiter. Pech gehabt, gehe zurück zu Schritt 5, gehe nicht über los, ziehe keine 2000 Euro ein.
  13. Gerät an den Bluttropfen halten, saugen lassen
  14. Glück gehabt: Dann ab jetzt 30 sec warten, in der Zeit dieses Miniminiminipflästerchen aufs Ohrläppchen kleben – mit Handschuhen!
  15. Pech gehabt: Dann gehe zurück zu Schritt 1, gehe nicht über ….. ihr kennt das!

Das Blutzucker messen wurde zu einer meiner Hauptaufgaben, neben den oben genannten, in diesem Praktikum.

Aber ich durfte auch so tolle Dinge begleiten wie Reizstrom anlegen, EKG schreiben, habe Blutdruck und Puls messen gelernt (vom Doktor persönlich; Tschuldigung nochmal für den tauben Arm) und habe gestandene Kerle bei Magenspiegelungen heulen sehen.

Ich habe Urin gesticks und zentrifugiert. Senkungen aufbereitet und pünktlich, zum schrillen der Eieruhr, abgelesen.

Und bevor ich nun meinen Bericht zu diesem Praktikum beende:

Ich bin euch noch eine Auskunft schuldig.

Wo war denn der Pausenraum?

Unser Frühstücksbrot nahmen wir regelmäßig sitzend, nebeneinander ein.

Aber wo?

Ich glaube, bei mehr wie 10 Followern aktuell, kann ich mich wagen, daraus ein Ratespiel zu machen.

Wo also haben wir wohl unsere Pause verbracht?

Gute Nacht Welt!

Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Die Alternativen….

Dann reisen wir doch mal wieder in die Vergangenheit.

Nachdem die Bewerbungen raus waren, wollte das Oberschwesterchen uuuuunbeeeeeedingt(!) noch weitere Dinge in medizinischer Richtung kennen lernen. Man kann ja schließlich nie sicher sein, ob man sich auf das Richtige einlässt.

Also habe ich in den Ferien nach Praktikumsstellen gesucht.

Erste Anlaufstelle: Die Apotheke des familiären Vertrauens.

OSH-Mini fragte sich bis zur Chefin durch, erklärte ihr Anliegen und bekam eine dicke Abfuhr!
Leider sind Ferienpraktika ja keine Schulpraktika und somit ist eine Unfallversicherung ja auch irgendwie problematisch.
Naja, der Chefin schwante wohl auch nichts gutes hinter einem Teenie, der in seiner Freizeit nicht abhängen sondern lernen wollte.

Schade…

Also dann direkt auf zum Plan A der zweiten Ferienwoche wenn schon Plan A der ersten Ferienwoche nicht geklappt hat.

Gegenüber zum Doktor in die Praxis.
In die kleine, ach was sag ich, verdammt kleine Praxis.

Tür auf – vorsicht Thresen!
Links hatte der Thresen eine Glaswand und dadurch entstand ein „abgetrennter“ Bereich.
6 Stühle bildeten das Wartezimmer.
kleiner Flur rechts neben dem Thresen abgehend.
2 Türen, dahinter die Behandlungszimmer.

Den Damen mein Anliegen vorgetragen – kurze Pause im Wartezimmer – ab zum Doktor.
Mein Anliegen erneut vorgetragen – Doktor setzte umgehend eine Diagnosemine auf.

Ich wett, auch er überlegte kurz, ob dieses arbeitswillige Teeniemädchen nicht lieber in die Psychiatrie gehörte…

Aber dann die Zusage.
Ich solle ab morgen kommen, 08:00 Uhr Dienstbeginn und ja, meine geliebte weiße Jeans und die T-Shirts müsste ich selbstredend auch in der Praxis anziehen.

OSH-Mini schwebte heim.
Bügelte die Wäsche und ging ihren armen Mitmenschen noch etwas auf den Senkel und ging dann früh ins Bett. Man will ja ausgeschlafen sein.

Am nächsten Tag stand OSH-Mini natürlich schon um halb acht an der Praxis und konnte entsprechend bereits beim aufschließen helfen.
Ich erhielt einen Rundgang durch die Praxis und siehe da, es gab noch mehr Räume.
Wenn man im Treppenhaus auf die erste Etage kam, sah man 3 Türen.
Geradeaus „meine“ Praxis, rechts die Praxis eines weiteren Arztes und links verbarg sich das Geheimnis der kleinen Praxen.

Hinter der linken Tür verbarg sich ein ganzer Flur voller Funktionsräume:
– Labor
– Ultraschall
– EKG Raum
Folterkammer Reizstromtherapie
– Magenspiegelung

Das einzige was es auch hier nicht gab, war ein Pausenraum.
Aber ich sollte noch mitkriegen, wie man hier seine Frühstückspausen verbrachte.

Aber für heute soll gut sein.
Es ist spät, mein Katzenkind will schlafen und deshalb wünsche ich … ja was wohl:

Gute Nacht, Welt!

Oberschwesterchen nach dem Praktikum

Nun war das Praktikum also rum.

OSH in spe wusste wo es hin gehen sollte.

Also ab nach hause und an der Zukunft arbeiten.

Als erstes hieß das: Praktikumsbericht fertig stellen.

Wir hatten so ein vorgedrucktes Heft in dass wir alle möglichen Infos zum Praktikumsbetrieb und diverse Tätigkeits- sowie Tagesberichte eintragen sollten.

Trocken wie 2 Meter Feldweg in Simbabwe.

Also schnitt ich die Seiten auseinander und puzzelte mir diese entsprechend wieder zusammen, so das ich die einzelnen Themen ausweiten konnte.

Wie sollte ich denn auch die Erlebnisse einer Geburt auf eine DIN A4 Seite Vordruck quetschen???

Ich pflegte Infomaterial ein, schrieb Berichte, zeichnete Pläne etc. So richtig strebermäßig … ich … das Mädchen, dass nie einen Handschlag mehr gemacht hat als unbedingt nötig war.

Zum Schluß gab ich einen von diesen 4 cm Ordnern ab.

Im Anschluß hab ich mich nur noch halbherzig den typischen Berufsberatungsthemen in der Schule gewidmet.

Unter anderem Stand ein Ganztagsausflug in BIZ (Berufsinformationszentrum) an. Was sollte OSH in spe da denn auch?

Also ganz typisch Dickkopf langweilte ich mich ziemlich rum.

Irgendwann hab ich mich dann an einen dieser PCs gesetzt, an denen man zig Fragen zu seinen Interessen gestellt bekam und immer aus 4 Antworten auswählen musste.

Beispiel:

Arbeiten sie gerne mit Menschen zusammen?

a) Nein

b) eher nein

c) eher ja

d) Ja

Ich habe mir also den Spaß gemacht und immer das angegeben, was meiner Meinung nach am besten zur Krankenschwester passte. Nun ja … trotz dreimaliger Wiederholung und dabei diversen Anpassungen kam immer der Vorschlag, ich sollte mich mal als Justizvollzugsbeamtin versuchen.

Das Ding war eindeutig kaputt!

Das Einzige, was ich an diesem Tag mitnahm war eine Liste mit allen möglichen Adressen großer Kliniken in Großstädten aller Himmelsrichtungen und einem kleinen Krankenhaus mit gutem Ruf aus der Gegend (falls mich der Mut, weg zu gehen, doch noch verlassen sollte).

Aber ich wollte weg.

Weg aus der Gegend, die so nah am Ort des Fie…. lassen wir das, ich wiederhole mich.

Ich wollte nicht alle möglichen Krankheiten aus Büchern kennen, ich wollte sie erleben.

Und ich wollte in eine Gegend, in der man auch leben und feiern kann … ich wollte Großstadtflair.

Also machte ich mich ans Bewerbungen schreiben.

1996 war das aber ja noch nicht so, dass jeder Haushalt einen PC hatte … ne ne nee …. die Dinger wurden ALLE ohne PC ohne Kopierer (der musste im Schreibwarenladen schließlich bezahlt werden und war somit nur den Zeugnissen vorbehalten) auf der elektrischen Schreibmaschine getippt.

Und ich sag euch eins… wenn OSH in spe was wollte, dann war sie erst mit 110% zufrieden. Das hieß: kein Tippex!

Wenn da ein Fehler drin war, dann wurde neu geschrieben!

Und ich hatte insgesamt 12 Bewerbungen geplant.

Ihr könnt euch vorstellen….

Meine Sehnenscheidenentzündung fand da wohl ihre Manifestation.

Ich war natürlich recht früh dran. Es war das Frühjahr/Sommer 1996, ich konnte nur das 1. Halbjahreszeugnis Klasse 9 beilegen. Voraussichtlicher Abschluss Sommer 1998.

Von allen bekam ich die Antwort, dass die Gespräche für das Ausbildungsjahr 1998 erst nach dem Halbjahreszeugnis Januar 1997 geführt werden und man mich dann noch mal zwecks Terminabsprache anschreibt.

Nun hieß es abwarten und Tee trinken.

Und um meine Geduld war es immer ziemlich, nun ja … sagen wir mal so, für mich ist der Spruch

Herr schmeiß Geduld vom Himmel, ABER EIN BISSCHEN PLÖTZLICH!

gemacht worden.

Die braucht ihr nun auch.

Bis demnächst,

Gute Nacht Welt

Die dritte Praktikumswoche

In meiner letzten Praktikumswoche kamen die für mich damals besondersten Tage.

Ich durfte regelmäßig mit zur Versorgung der Säuglinge ins Kinderzimmer und zu den Eltern auf die Entbindungszimmer.

Uuuund…. ich durfte mit in den Kreissaal.

Als mir diese Aussichten eröffnet wurden, war ich echt von den Socken.

Natürlich hab ich im Kinderzimmer nicht sofort jedes Baby komplett versorgen dürfen. Auch dort gab es erstmal nur viele Nebenaufgaben:

Stoffwindeln falten zum Beispiel. Die Kinder damals wurden in den ersten Tagen nämlich zusätzlich zu den Pampers mit Stoffwindeln breit gewickelt.

Kettchen machen und Kleidung falten gehörte auch dazu, ebenso den Wickelplatz und die Badewanne regelmäßig zu reinigen.

Hört sich jetzt erstmal alles sehr umspektakulär an, aber glaubt mir, für Mädels in dem Alter im allgemeinen und für das Oberschwesterchen in spe im besonderen war es etwas ganz, ganz, ganz besonderes.

Ich durfte teil haben an den Momenten, in denen die Säuglinge ihren glücklichen Eltern aufs Zimmer gefahren wurden. Rooming-Inn kannte man zumindest damals dort (wir erinnern uns an den Ort von dem aus man das Fieberthermometer … ihr wisst schon…) noch nicht in der Form wie es heute üblich ist. Ich durfte dabei sein, wenn unbeholfene Papis versuchten Babyärmchen in Hemdchen zu wurschteln und dabei der Angstschweiß, vor den mit Sicherheit brechenden Ärmchen, Tellergroße Ränder in den Achseln hinterließ. Herrlich …

Auch die beiden Kreissäle bekam ich natürlich erstmal nur zur Vor- und Nachbereitung, sowie zum Essen oder Getränke bringen, zu sehen. Nun ja, es sollte noch anders kommen.

Eine der Hebammen ging dann am zweiten Tag dieser Woche mit mir zu einer werdenden Mutter die einen Termin zur Einleitung hatte und hielt das Informationsgespräch. In diesem erklärte sie ihr auch, dass ich Praktikantin sei und man mich gedenkt an dieser Geburt dabei sein zu lassen.

Ich war echt geschockt!

Ich sollte an einer Geburt dabei sein dürfen.

In diesem Moment ging mir alles durch den Kopf:

– würde ich an der Stelle dieser Frau das wollen?

– will ich so einen intimen Moment wirklich dabei sein? (Wir erinnern uns an das Pubertätsproblem mit der ihhh-bah-kenn-ich-nich-ist-ekelig-Muttermilch)

JA – ich will!

Und die Frau wollte auch! *kreiiiiiiiisch*

Ich hab mich gefreut wie ein Honigkuchenpferd und hatte mehr Angst wie Vaterlandsliebe.

Mit diesem Gefühlswirrwarr fuhr ich heim und freute mich auf den nächsten Tag.

Am nächsten Tag wieder angekommen (ach erwähnte ich schon, dass ich aufgrund der Jugendschutzgesetze damals noch so milde Arbeitszeiten wie 07:30 bis 16:irgendwas Uhr hatte), schaute ich als erstes bei „meiner Schwangeren“ vorbei. Ihr ging es gut, die Einleitung hatte bereits begonnen, war halt noch mobil unterwegs. Meine Geduld wurde auf die Probe gestellt. stellte ich mir doch vor, dass ich die Frau den ganzen Tag über im Kreissaal antreffen würde…

Pustekuchen, die war fast nur im Treppenhaus… Hintergründe dazu erklärte mir die diensthabende Hebamme aber natürlich immer brav.

Es wurde Vormittag….

Es wurde Mittag….

Es wurde Kaffeezeit….

DA …. jetzt wollte sie dauerhaft im Kreissaal bleiben. Nur rückte natürlich auch mein Feierabend näher und ich wollte doch uuuuunbeeeediiiiingt bei dieser Geburt dabei sein.

Also mal vorsichtig nachfragen, ob ich denn unbedingt Feierabend machen muss?!

Jepp … Jugendschutzgesetz!

Und wenn ich die Frau in meiner Freizeit besuche?

Grübel-laber-rhabarber….

Anruf bei den Erziehungsberechtigten des Oberschwesterchens….

Yeeees! Ich durfte bleiben!

Pünktlich zum Feierabend hab ich das Namensschild abgelegt und eine Strickjacke über gezogen und bin in den Kreissaal.

Was soll ich sagen. Es dauerte bis kurz nach 19:00 Uhr bis das kleine Menschenkind das Licht der Welt erblickte.

Mutter heult…

Vater heult…

Oberschwesterchen heult…

Welch bewegender Moment…

To make a long story short: Mutter entschied, dass Papi zwar die Nabelschnur durchschneiden durfte, OS`chen in spe aber durfte den frisch benannten Maik baden und anziehen. Auch endschied die Mutti, dass ich ebenfalls ein Foto von Maik sowie ein Familienfoto bekommen sollte und natürlich auch eins von Maik und mir.

Müde aber überglücklich ließ ich mich abholen und verbrachte die letzten 2 Tage meines Praktikums damit Maik und Mama zu versorgen (meine höchst privaten Patienten) und die Dokumentationsaufgaben anhand dieses Beispiels gezeigt zu bekommen.

Ich vermute mal, dass ich auch weiterhin andere Aufgaben erledigt habe, aber bei mir setzte ab dem Zeitpunkt der Geburt eine Übertragene-Pseudo-Still-Demenz oder sowas ähnliches ein – ich weiß es einfach nicht mehr genau.

An meinem letzten Tag dort hab ich mich würdig von allen mit einem riesen Kuchen (Personal) und einen Stofftierchen für Maik sowie ein Röschen für Mama-Maik verabschiedet.

An diesem Tag ging ich aus dem Haupteingang der Klinik, vorbei an einer (wenn auch nicht meiner) Realschule zum Bus und wusste, was ich in meinem Leben will:

Kinderkrankenschwester sein und selber Kinder bekommen.

Es sollte aber erst noch ein wenig spannend werden.

Mehr dazu demnächst!

Gute Nacht Welt!

Die schönen Momente von Oberschwesterchens Schülerpraktikum

Wie ich bereits erwähnte gab es auch schöne und besonders schöne Momente in dem Krankenhaus am Rande des Fleckchen Landes, dem eine gute Krankenschwester damals noch täglich das Fieberthermometer ein steckte … und mit täglich meine ich täglich … grundlegend … sogar mehrfach wenn es sein musste … egal ob du chirurgisch oder internistisch lagst. Egal ob du tatsächlich eine Erkrankung, die mit Fieber einherging hattest oder ein Bein gebrochen … Fieber und Blutdruck messen gehörte dazu. Und da haben die Schwestern weder gefackelt noch diskutiert.

Was hatte ich ein Aufsehen zu den Frauen, die so mir nichts dir nichts auch die gestandensten Männer von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen, mit bloßem Ton der Stimme und mit einem Blick, überzeugt hatten.

Aber von den gestandenen Männern, die ich ja jeweils nur einen Tag auf der Chirurgie und einem Tag auf der Internistischen erleben durfte, wieder zurück zu den Frauen in meinem Hauptbereich.

Tatsächlich hab ich in Woche 2 dann nämlich schon Schrittweise die Stationsküche auch für andere Maßnahmen wie das Betten putzen verlassen dürfen.

Ich durfte Frühstück verteilen/abräumen und morgens mit zur „Bettenrunde“.

Heißt übersetzt ganz einfach: Patientenkontakt!

Natürlich auf niedrigstem Niveau, aber für ein 15 jähriges, angehendes Oberschwesterchen ist das nicht nur Patientenkontakt – es ist die große weite Welt … die Welt der wichtigen, helfenden Krankenschwestern und ich mittendrin.

Okay … natürlich hab ich weder eine Pflegerunde, noch eine Medikamentenrunde (mein Gott, zurückgedacht war die Funktionspflege auf normalen Bereichen echter Bullshit) mitgemacht … und von einer Visite war ich noch ein paar Tage weg (wusste es da nur noch nicht).

Nein – Bettenrunde hieß nichts anderes wie: Eine Schwester, eine Schülerin und ich sind mit dem Pflegewagen von Zimmer zu Zimmer und haben Betten aufgeschüttelt, Laken glatt-  und Stecklagen neu bezogen. Ein frisches Glas und ein Fläschchen Wasser, über Nachttisch und Tisch gewischt – BitteDankeTschüss!

Wow …. ich war begeistert … ich habe den Menschen beim genesen geholfen!!!

Hatte ich  nicht schonmal erwähnt, dass ich es beeindruckend finde, mit welchen Dingen man mich damals noch beeindrucken konnte ?! *lach*

Nachdem ich wohl die nötigen Portionen Zurückhaltung und Einsatzbereitschaft gezeigt hatte, traute man mir zu auch andere „Runden“ zu begleiten. Schließlich stand ich völlig unauffällig an der Seite und störte nicht und blieb doch nicht untätig in wichtigen Momenten wie: benötigte Mülleimer suchen, Bettwäsche raus tragen / neue wieder mitbringen und ähnliches.

Also erlebte ich im laufe der Woche alle wichtigen „Runden“, die diese Station zu bieten hatte:

  • Weck-und-Medikamenten-Runde
  • Bettenrunde
  • Fieber-Blutdruck-„Wann war ihr letzter Stuhlgang“-Runde
  • CTG-Runde
  • Essenkarten-Ausfüll-Runde

Und ja, am Ende der Woche durfte ich dann auch, hatte ich meine Fähigkeiten in „Unsichtbar sein bis man deine Hilfe erwartet“ doch schon perfektioniert, an einer ärztlichen Visite teilnehmen.

Beeindruckend, womit…  Ach nee, hatten wir heute schon!

Natürlich verstand ich so gut wie nix! Aber egal… ich gehörte zur wichtigen Mannschaft in weiß … und war bestimmt ein ganz klitzekleinesbißchen nicht Unsichtbar.

In der dritten und letzten Woche erwartete mich dann eine besondere Überraschung.

Aber dazu erzähle ich ein anderes Mal weiter.

Gute Nacht Welt!