Kuriosität 3

Manchmal hat man es in der Pflege mit dem berühmtberüchtigtem Intertrigo zu tun.

Tritt hin und wieder in den Hautfalten der Herrschaften auf, die viel schwitzen, unter Inkontinenz leiden oder eben gut propper sind.

Zumeist recht eine gute Hautpflege um dies zu vermeiden, aber manchmal hat sich das fiese Intertrigoding dann eben doch eingeschlichen.

Und manchmal reicht dann eine gute Hautpflege und das gezielte trocken halten der Falten nicht mehr aus und es muss eine Salbe her.

Da hat das nette Hausdoktorchen für die Unterbrusthautfalte der alten Bewohnerin nun ein frei verkäufliches Sälbchen verordnet. Hat MDKgemäß ordnungsgemäß ins Medikamentenblatt eingetragen:

Multilind Salbe (td) morgens & abends auftragen

(-> Intertrigo re Unterbrustfalte)

Nun hält sich dieser dummer Intertrigo aber einfach nicht daran, dass er eben nur unter der rechten Brust ausarten darf und ist auf einmal auch unter der linken Brust, oder gar in der Achsel oder oder oder…

Nun könnte man meinen, Ärzte und Pflegepersonal hätten, unabhängig voneinander, genug zu tun.

Und man könnte meinen, Pflegepersonal kann eine Hauterkrankung von der anderen schon unterscheiden.

und deswegen wiederum könnte man meinen, dass die Pflegekraft also an dem Morgen, an dem die linke Unterbrustfalte nun auch betroffen ist, die Salbe einfach entsprechend unter beiden Brüsten aufträgt…

Weiiiiiiiit gefehlt liebe Leser….

Jetzt muss die Pflegekraft erstmal den Arzt informieren und auf eine schriftliche Anordnung zum auftragen der Salbe warten.

Die Pflegekräfte werden in ihrem Wissen kastriert und müssen den Ärzten noch mehr Arbeit machen.

Und wir sprechen hier von Salben wie Multilind, Bepanthen, etc.

Alles was jeder Schornsteinfeger seiner Nachbarin auftragen dürfte… ohne ärztliche Anordnung…

Nur das 3jährig gelernte Pflegefachpersonal, dass muss sich diese Salben ärztlich anordnen lassen INKL. des Ortes, an den es geschmiert werden darf.

Man hat ja sonst nichts zu tun, gell.

MFA`s und Ärzte um Verzeihung bittend denn es ist nicht auf unserem Mist gewachsen,

Euer OSHchen

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Kuriosität 1

Fieber

In der Ausbildung lernt man, egal ob als KrankenpflegerIN oder AltenpflegerIN die Bedeutung von Fieber.

Man lernt die Definition und die Grenzwerte.

Man weiß dann zu unterscheiden zwischen

  • normal Temperatur
  • subfebriler Temperatur
  • Fieber
  • hohes Fieber

und man lernt auch die Wirkweise von fiebersenkenden Medikamenten.

Das scheint nach den Richtlinien des MDS nicht auszureichen. In ihren Transparentzkriterien steht unter den Punkten „Bedarfsmedikamente“ beschrieben, dass ein Bedarfsmedikament IMMER mit der Definition des Bedarfes verordnet werden muss.

Das hat in der Praxis zur Folge, dass man ärztliche Augen so groß wie Untertassen vor sich sieht, wenn man den Arzt dann bei der Verordnung doch bittet auch schriftlich festzulegen, ab wie viel °C man denn das Fieber senkende Mittel verabreichen soll.

Steht dies nicht so im Verordnungsblatt, so erhält man bei der Qualitätsprüfung die Note 5 für die Frage: „Werden ärztlich Verordnete Medikamente fachgerecht verabreicht?“

Die ersten Bewerbungsgespräche

Anfang des zehnten Schuljahres kamen die ersten 2 ordentlichen Rückmeldungen auf meine Bewerbung: Vorstellungstermine!

Uiuiui… welch ein Fest. Ich war so aufgeregt. Es muss so viel dafür organisiert werden. Die Termine waren ja nicht grad nebenan.  Und überhaupt!

Mein erster Gedanke war: Ich musste shoppen! Frau will ja ordentlich bekleidet sein bei so einem Termin.

Der zweite war: Hildegards Freund, nennen wir ihn mal Hans, musste Urlaub nehmen und mich fahren.

Also alles eingestielt und vorbereitet.

Termin 1:

Das einzige, wohl etwas kleinere Krankenhaus, in dem ich mich beworben habe (hier: auch die einzige wissentliche Bewerbung zur normalen Krankenschwestern Ausbildung, nicht Kinderkrankenschwester), um eine alternative zu haben, sollte mich doch die Angst vor meiner eigenen Courage packen. Vielleicht würde ich mich ja doch nicht trauen in die Großstadt zu ziehen. Es war bei uns auf dem Land. Katholischem Land! Und so wurde ich von einer der leitenden Nonnen begrüßt.

Ooooooh meiiiiiiin Gott! Genauso dunkel wie das Kleid der Nonne waren auch die Gänge in diesem Krankenhaus. Ein uraltes Gebäude, von außen wunderschön, aber von innen gruselig.

Ich erfuhr, dass man aufgrund des Lehrplanes diverse Instanzen/Fachbereiche absolvieren muss und dieses kleine Krankenhaus davon natürlich nur einen Bruchteil abdeckte. Deshalb gäbe es Kooperationshäuser. Das wiederum hieß für die Pflegeschüler, Umzüge – mehrfach!

1 Ausbildungsjahr: Standtort des Arbeitgebers

Dann: Umzug in den Rhein-Sieg-Kreis für 9 Monate

Dann: Umzug an den Rhein für 9 Monate

Dann: die letzten 6 Monate wieder ab ins katholische Ländchen

Das wollte ich nicht. Sagte also erstmal nix, aber mir war klar, dass ich diese Bewerbung zurückziehen werde.

Enttäuscht bin ich heim.

 

Termin 2:

Großstadt …DIESE Stadt! Meine Wunschstadt, da von hier aus mein Ländle und somit Familie und Freunde auch ohne Tagesreise zu erreichen wären.

Riesen Klinik – Riesen Bewerbungsdesaster *lach*

Dort hatte ich mich als Kinderkrankenschwester beworben. 

Im Vorstellungsgespräch saß ich 3 Personen gegenüber: Schulleitung, zukünftige Klassenleitung und Personalchef der Azubis.

Nach ein wenig Smalltalk fragte mich die Schulleitung auf einmal, wieso ich mich mit dem Wunschberuf Kinderkrankenschwester denn an dieser Klinik beworben hätte? Ich hätte mich an der zwar dazugehörenden, aber eben einzeln Verwalteten Kinderklinik in der Querstraße bewerben müssen. Allerdings sei ihnen das auch erst jetzt in der direkten Vorbereitung des Gespräches (quasi just in diesem Moment) aufgefallen, sonst hätte man mich ja weiter geleitet.

Ich war ein wenig verwirrt und hörte erstmal weiter zu. Man erzählte mir, dass die Kinderkrankenpflege aber nur einen Kurs jährlich ausbilde und man auch schon für die Startjahre 1999 und 2000 ausgebucht sei. 1998 käme für mich in sofern ja sowieso nicht in frage, weil man immer im April beginnen würde und ich ja bis Juni noch in der Schule sei.

Man erwähnte auch, dass man als ex. Krankenschwester später noch in 2 Jahren statt 3, die Kinderkrankenschwester zusätzlich erlernen könne.

Ich rechnete flink durch („2 1/2 Jahre Wartezeit auf den Platz + 3 Jahre Ausbildung = Kinderkrankenschwester“ im Verhältnis zu „3 Jahre Ausbildung Krankenschwester + 2 Jahre Zusatzausbildung“= Krankenschwester UND Kinderkrankenschwester) und sagte:

Ach wissen Sie, ich glaube ja, dass in der Erwachsenenpflege viele Männer und alte Leute zu finden sein werden, so viel unterschied zu kranken Kindern macht dass dann ja gar nicht. 

Die Lacher waren, zumindest von den 2 anwesenden Frauen, auf meiner Seite. 

Das mein Mundwerk manchmal schneller ist als mein Köpfchen war hier mal wieder bewiesen. 

Der Personalchef wollte dann unbedingt wieder trockenernst werden und fragte, ob ich ihm sagen könne, was man in letzter Zeit in den Medien denn so von dem Berufsstand der Pflege im politischen Sinn gebracht hätte.

Ich überlegte mal wieder gar nicht   nicht lang und sagte wahrheitsgetreu frei raus:

Nun, Nachrichten höre ich eigentlich nur morgens im Radio … während ich meine Haare töne … also quasi nur nebenher … 1/2 Ohr sozusagen … aber in dem Pflegeberuf geht es doch eigentlich immer nur um Personalmangel und fehlenden Nachwuchs, also hier ist der Nachwuchs.

Mit diesen Worten hatte ich es mir bei diesem Mann eindeutig verscherzt.

Aber die beiden Frauen … ja, die wollten mich haben.

Man schickte mich ein bißchen raus, holte mich wieder rein und fragte, ob ich ein Wohnheimzimmer mieten wollte!

*strike* … ich hatte eine Ausbildungsstelle! In meiner Wunschstadt!

Ich freute mir ein Loch in den Bauch und lief zum Auto.

Hans wartete geduldig und freute sich so gar nicht … ich hatte aber keine Augen für beziehungstechnische Nebenschauplätze. 

Ich war da wie der kleine Drache Grisu: Ich will Feuerwehrmann Oberschwester Hildegard werden! Basta! Egal was mir im Weg steht!

Mit diesem Gedanken fuhren wir heim.

 

 

 

Das Schülerpraktikum der Schwester Hildegard

Mit zarten 16 Jahren war es dann soweit.

Hildegard, noch ganz weit weg von Oberschwester, bewarb sich in dieser kleinen Klitsche von Krankenhaus  dem Krankenhauses des Nachbarortes. Es gab 3 Stationen plus Ambulanz und Funktionsabteilung. Mein Einsatzbereich wurde die Gynäkologische Abteilung inkl. Kreissaal (immerhin 2) und Säuglingszimmer (es passten 4 Bettchen rein).

Ich fühlte mich riesig!

Daran änderte auch nicht die Tatsache, dass ich in der schönen, extra neu gekauften, weißen Jeanshose und den strahlendweißen T-Shirts, die ersten 2 Tage den Umkleideraum entstaubt/geputzt habe.

Wieso so ein Umkleideraum 2 Tage in Anspruch nimmt, fragt ihr?

Was meint ihr denn, was mit den ganzen geschenkten Babybildern passiert, wenn die obligatorischen 2 Wände der Station voll sind?

Richtig! Die lagern gestapelt im Umkleideraum auf den Spinden.

Einmal abstauben bitte …..

Nun gut. Zumindest hab ich in den ersten zwei Tagen das Schwestern- und Säuglingszimmer, sowie die Stationsküche von innen gesehen. Ich gehörte also quasi schon dazu.

Beeindruckend… womit man mich damals noch beeindrucken konnte 🙂

Aber das sollte nicht das einzige sein, was ich später nie und nimmer von meinen Praktikanten verlangt habe.

Es folgten so herrliche Dinge wie:

Säulingsflaschen spülen und sterilisieren.

Kaffee und Tee kochen.

Essen verteilen und abräumen.

OP Klammern (die Dinger sahen damals aus wie diese Haarklämmerchen) spülend abbürsten und danach für die Steri-Abteilung in Tüten verpacken.

Betten auswaschen nach Patienten Entlassungen.

etc.

Aber es war nicht nur schrecklich, sonst wäre ich wohl nie in die Ausbildung gegangen.

In den nächsten Tagen schreibe ich dann die schönen Dinge auf.

Heute muss die Oberschwester erstmal die letzten 2 Arbeitstage verdauen.

Gute Nacht Welt!