Die Alternativen….

Dann reisen wir doch mal wieder in die Vergangenheit.

Nachdem die Bewerbungen raus waren, wollte das Oberschwesterchen uuuuunbeeeeeedingt(!) noch weitere Dinge in medizinischer Richtung kennen lernen. Man kann ja schließlich nie sicher sein, ob man sich auf das Richtige einlässt.

Also habe ich in den Ferien nach Praktikumsstellen gesucht.

Erste Anlaufstelle: Die Apotheke des familiären Vertrauens.

OSH-Mini fragte sich bis zur Chefin durch, erklärte ihr Anliegen und bekam eine dicke Abfuhr!
Leider sind Ferienpraktika ja keine Schulpraktika und somit ist eine Unfallversicherung ja auch irgendwie problematisch.
Naja, der Chefin schwante wohl auch nichts gutes hinter einem Teenie, der in seiner Freizeit nicht abhängen sondern lernen wollte.

Schade…

Also dann direkt auf zum Plan A der zweiten Ferienwoche wenn schon Plan A der ersten Ferienwoche nicht geklappt hat.

Gegenüber zum Doktor in die Praxis.
In die kleine, ach was sag ich, verdammt kleine Praxis.

Tür auf – vorsicht Thresen!
Links hatte der Thresen eine Glaswand und dadurch entstand ein „abgetrennter“ Bereich.
6 Stühle bildeten das Wartezimmer.
kleiner Flur rechts neben dem Thresen abgehend.
2 Türen, dahinter die Behandlungszimmer.

Den Damen mein Anliegen vorgetragen – kurze Pause im Wartezimmer – ab zum Doktor.
Mein Anliegen erneut vorgetragen – Doktor setzte umgehend eine Diagnosemine auf.

Ich wett, auch er überlegte kurz, ob dieses arbeitswillige Teeniemädchen nicht lieber in die Psychiatrie gehörte…

Aber dann die Zusage.
Ich solle ab morgen kommen, 08:00 Uhr Dienstbeginn und ja, meine geliebte weiße Jeans und die T-Shirts müsste ich selbstredend auch in der Praxis anziehen.

OSH-Mini schwebte heim.
Bügelte die Wäsche und ging ihren armen Mitmenschen noch etwas auf den Senkel und ging dann früh ins Bett. Man will ja ausgeschlafen sein.

Am nächsten Tag stand OSH-Mini natürlich schon um halb acht an der Praxis und konnte entsprechend bereits beim aufschließen helfen.
Ich erhielt einen Rundgang durch die Praxis und siehe da, es gab noch mehr Räume.
Wenn man im Treppenhaus auf die erste Etage kam, sah man 3 Türen.
Geradeaus „meine“ Praxis, rechts die Praxis eines weiteren Arztes und links verbarg sich das Geheimnis der kleinen Praxen.

Hinter der linken Tür verbarg sich ein ganzer Flur voller Funktionsräume:
– Labor
– Ultraschall
– EKG Raum
Folterkammer Reizstromtherapie
– Magenspiegelung

Das einzige was es auch hier nicht gab, war ein Pausenraum.
Aber ich sollte noch mitkriegen, wie man hier seine Frühstückspausen verbrachte.

Aber für heute soll gut sein.
Es ist spät, mein Katzenkind will schlafen und deshalb wünsche ich … ja was wohl:

Gute Nacht, Welt!

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Oberschwesterchen nach dem Praktikum

Nun war das Praktikum also rum.

OSH in spe wusste wo es hin gehen sollte.

Also ab nach hause und an der Zukunft arbeiten.

Als erstes hieß das: Praktikumsbericht fertig stellen.

Wir hatten so ein vorgedrucktes Heft in dass wir alle möglichen Infos zum Praktikumsbetrieb und diverse Tätigkeits- sowie Tagesberichte eintragen sollten.

Trocken wie 2 Meter Feldweg in Simbabwe.

Also schnitt ich die Seiten auseinander und puzzelte mir diese entsprechend wieder zusammen, so das ich die einzelnen Themen ausweiten konnte.

Wie sollte ich denn auch die Erlebnisse einer Geburt auf eine DIN A4 Seite Vordruck quetschen???

Ich pflegte Infomaterial ein, schrieb Berichte, zeichnete Pläne etc. So richtig strebermäßig … ich … das Mädchen, dass nie einen Handschlag mehr gemacht hat als unbedingt nötig war.

Zum Schluß gab ich einen von diesen 4 cm Ordnern ab.

Im Anschluß hab ich mich nur noch halbherzig den typischen Berufsberatungsthemen in der Schule gewidmet.

Unter anderem Stand ein Ganztagsausflug in BIZ (Berufsinformationszentrum) an. Was sollte OSH in spe da denn auch?

Also ganz typisch Dickkopf langweilte ich mich ziemlich rum.

Irgendwann hab ich mich dann an einen dieser PCs gesetzt, an denen man zig Fragen zu seinen Interessen gestellt bekam und immer aus 4 Antworten auswählen musste.

Beispiel:

Arbeiten sie gerne mit Menschen zusammen?

a) Nein

b) eher nein

c) eher ja

d) Ja

Ich habe mir also den Spaß gemacht und immer das angegeben, was meiner Meinung nach am besten zur Krankenschwester passte. Nun ja … trotz dreimaliger Wiederholung und dabei diversen Anpassungen kam immer der Vorschlag, ich sollte mich mal als Justizvollzugsbeamtin versuchen.

Das Ding war eindeutig kaputt!

Das Einzige, was ich an diesem Tag mitnahm war eine Liste mit allen möglichen Adressen großer Kliniken in Großstädten aller Himmelsrichtungen und einem kleinen Krankenhaus mit gutem Ruf aus der Gegend (falls mich der Mut, weg zu gehen, doch noch verlassen sollte).

Aber ich wollte weg.

Weg aus der Gegend, die so nah am Ort des Fie…. lassen wir das, ich wiederhole mich.

Ich wollte nicht alle möglichen Krankheiten aus Büchern kennen, ich wollte sie erleben.

Und ich wollte in eine Gegend, in der man auch leben und feiern kann … ich wollte Großstadtflair.

Also machte ich mich ans Bewerbungen schreiben.

1996 war das aber ja noch nicht so, dass jeder Haushalt einen PC hatte … ne ne nee …. die Dinger wurden ALLE ohne PC ohne Kopierer (der musste im Schreibwarenladen schließlich bezahlt werden und war somit nur den Zeugnissen vorbehalten) auf der elektrischen Schreibmaschine getippt.

Und ich sag euch eins… wenn OSH in spe was wollte, dann war sie erst mit 110% zufrieden. Das hieß: kein Tippex!

Wenn da ein Fehler drin war, dann wurde neu geschrieben!

Und ich hatte insgesamt 12 Bewerbungen geplant.

Ihr könnt euch vorstellen….

Meine Sehnenscheidenentzündung fand da wohl ihre Manifestation.

Ich war natürlich recht früh dran. Es war das Frühjahr/Sommer 1996, ich konnte nur das 1. Halbjahreszeugnis Klasse 9 beilegen. Voraussichtlicher Abschluss Sommer 1998.

Von allen bekam ich die Antwort, dass die Gespräche für das Ausbildungsjahr 1998 erst nach dem Halbjahreszeugnis Januar 1997 geführt werden und man mich dann noch mal zwecks Terminabsprache anschreibt.

Nun hieß es abwarten und Tee trinken.

Und um meine Geduld war es immer ziemlich, nun ja … sagen wir mal so, für mich ist der Spruch

Herr schmeiß Geduld vom Himmel, ABER EIN BISSCHEN PLÖTZLICH!

gemacht worden.

Die braucht ihr nun auch.

Bis demnächst,

Gute Nacht Welt

Die schönen Momente von Oberschwesterchens Schülerpraktikum

Wie ich bereits erwähnte gab es auch schöne und besonders schöne Momente in dem Krankenhaus am Rande des Fleckchen Landes, dem eine gute Krankenschwester damals noch täglich das Fieberthermometer ein steckte … und mit täglich meine ich täglich … grundlegend … sogar mehrfach wenn es sein musste … egal ob du chirurgisch oder internistisch lagst. Egal ob du tatsächlich eine Erkrankung, die mit Fieber einherging hattest oder ein Bein gebrochen … Fieber und Blutdruck messen gehörte dazu. Und da haben die Schwestern weder gefackelt noch diskutiert.

Was hatte ich ein Aufsehen zu den Frauen, die so mir nichts dir nichts auch die gestandensten Männer von der Notwendigkeit dieser Maßnahmen, mit bloßem Ton der Stimme und mit einem Blick, überzeugt hatten.

Aber von den gestandenen Männern, die ich ja jeweils nur einen Tag auf der Chirurgie und einem Tag auf der Internistischen erleben durfte, wieder zurück zu den Frauen in meinem Hauptbereich.

Tatsächlich hab ich in Woche 2 dann nämlich schon Schrittweise die Stationsküche auch für andere Maßnahmen wie das Betten putzen verlassen dürfen.

Ich durfte Frühstück verteilen/abräumen und morgens mit zur „Bettenrunde“.

Heißt übersetzt ganz einfach: Patientenkontakt!

Natürlich auf niedrigstem Niveau, aber für ein 15 jähriges, angehendes Oberschwesterchen ist das nicht nur Patientenkontakt – es ist die große weite Welt … die Welt der wichtigen, helfenden Krankenschwestern und ich mittendrin.

Okay … natürlich hab ich weder eine Pflegerunde, noch eine Medikamentenrunde (mein Gott, zurückgedacht war die Funktionspflege auf normalen Bereichen echter Bullshit) mitgemacht … und von einer Visite war ich noch ein paar Tage weg (wusste es da nur noch nicht).

Nein – Bettenrunde hieß nichts anderes wie: Eine Schwester, eine Schülerin und ich sind mit dem Pflegewagen von Zimmer zu Zimmer und haben Betten aufgeschüttelt, Laken glatt-  und Stecklagen neu bezogen. Ein frisches Glas und ein Fläschchen Wasser, über Nachttisch und Tisch gewischt – BitteDankeTschüss!

Wow …. ich war begeistert … ich habe den Menschen beim genesen geholfen!!!

Hatte ich  nicht schonmal erwähnt, dass ich es beeindruckend finde, mit welchen Dingen man mich damals noch beeindrucken konnte ?! *lach*

Nachdem ich wohl die nötigen Portionen Zurückhaltung und Einsatzbereitschaft gezeigt hatte, traute man mir zu auch andere „Runden“ zu begleiten. Schließlich stand ich völlig unauffällig an der Seite und störte nicht und blieb doch nicht untätig in wichtigen Momenten wie: benötigte Mülleimer suchen, Bettwäsche raus tragen / neue wieder mitbringen und ähnliches.

Also erlebte ich im laufe der Woche alle wichtigen „Runden“, die diese Station zu bieten hatte:

  • Weck-und-Medikamenten-Runde
  • Bettenrunde
  • Fieber-Blutdruck-„Wann war ihr letzter Stuhlgang“-Runde
  • CTG-Runde
  • Essenkarten-Ausfüll-Runde

Und ja, am Ende der Woche durfte ich dann auch, hatte ich meine Fähigkeiten in „Unsichtbar sein bis man deine Hilfe erwartet“ doch schon perfektioniert, an einer ärztlichen Visite teilnehmen.

Beeindruckend, womit…  Ach nee, hatten wir heute schon!

Natürlich verstand ich so gut wie nix! Aber egal… ich gehörte zur wichtigen Mannschaft in weiß … und war bestimmt ein ganz klitzekleinesbißchen nicht Unsichtbar.

In der dritten und letzten Woche erwartete mich dann eine besondere Überraschung.

Aber dazu erzähle ich ein anderes Mal weiter.

Gute Nacht Welt!

Das Schülerpraktikum der Schwester Hildegard

Mit zarten 16 Jahren war es dann soweit.

Hildegard, noch ganz weit weg von Oberschwester, bewarb sich in dieser kleinen Klitsche von Krankenhaus  dem Krankenhauses des Nachbarortes. Es gab 3 Stationen plus Ambulanz und Funktionsabteilung. Mein Einsatzbereich wurde die Gynäkologische Abteilung inkl. Kreissaal (immerhin 2) und Säuglingszimmer (es passten 4 Bettchen rein).

Ich fühlte mich riesig!

Daran änderte auch nicht die Tatsache, dass ich in der schönen, extra neu gekauften, weißen Jeanshose und den strahlendweißen T-Shirts, die ersten 2 Tage den Umkleideraum entstaubt/geputzt habe.

Wieso so ein Umkleideraum 2 Tage in Anspruch nimmt, fragt ihr?

Was meint ihr denn, was mit den ganzen geschenkten Babybildern passiert, wenn die obligatorischen 2 Wände der Station voll sind?

Richtig! Die lagern gestapelt im Umkleideraum auf den Spinden.

Einmal abstauben bitte …..

Nun gut. Zumindest hab ich in den ersten zwei Tagen das Schwestern- und Säuglingszimmer, sowie die Stationsküche von innen gesehen. Ich gehörte also quasi schon dazu.

Beeindruckend… womit man mich damals noch beeindrucken konnte 🙂

Aber das sollte nicht das einzige sein, was ich später nie und nimmer von meinen Praktikanten verlangt habe.

Es folgten so herrliche Dinge wie:

Säulingsflaschen spülen und sterilisieren.

Kaffee und Tee kochen.

Essen verteilen und abräumen.

OP Klammern (die Dinger sahen damals aus wie diese Haarklämmerchen) spülend abbürsten und danach für die Steri-Abteilung in Tüten verpacken.

Betten auswaschen nach Patienten Entlassungen.

etc.

Aber es war nicht nur schrecklich, sonst wäre ich wohl nie in die Ausbildung gegangen.

In den nächsten Tagen schreibe ich dann die schönen Dinge auf.

Heute muss die Oberschwester erstmal die letzten 2 Arbeitstage verdauen.

Gute Nacht Welt!