Station O3 – Es wird ernst!

Auf der O3 – Kinder und Jugendorthopädie meldete sich das spätere OSHchen um Punkt 5vor6 zu ihrem ersten Dienst im Real-Life.

Vorerst musste ich natürlich erstmal den brachial schweren Weg zur Station finden.
In frisch gestärkter Dienstkleidung ging ich also aus dem Zimmer im Schwesternwohnheim den langen Flur entlang.
Fuhr mit dem Aufzug in den Keller und trat ins Freie.
Über den Innenhof der Kinderklinik musste ich quer drüber.
Danach in den Hintereingang des Gebäudes rein und mit dem Aufzug bis in den 3 Stock.
*pading* Thank you for traveling with my own feets.

Die Stationsleitung nahm mich in Empfang und stellte mir die anderen anwesenden Mitarbeiter vor.
In der Übergabe verstand ich erstmal fast nur Kauderwelsch – „3 fache 4.Tag post OP“ klang für mich ähnlich wie „32 süß-sauer bitte“ – wusste also voll Bescheid was sich dahinter versteckte, aber dass sollte sich später ändern.

Eine der anderen anwesenden Schülerinnen bekam die Aufgabe mein Navigationssystem für die ersten Tage zu spielen. Sie zeigte mir die Station mit all ihren Nebenräumen und die wichtigen Wege im Haus.

Hier sollte ich also meine Probezeit verbringen. Okay … rein ins Glück.

Was ich im einzelnen an den ersten Tagen alles so erlebt habe, weiß ich heute einfach nicht mehr – zu viel auf einmal für`s kleine OSH Köpfchen.

Aber einige Dinge vergisst man bekanntlich nie.

So war da ein kleines Mädchen, ca. 4 Jahre alt mit geistiger Behinderung. Irgendwie passte ihr Krankheitsbild nicht so ganz auf die Orthopädische Station. Man vermutete eine deutliche Überlastung im Elternhaus (die Ablehnung des Vaters spürte man sogar bei seinen Sekundenbesuchen), sie war in ihrem kurzen Leben bereits das 13te mal im Krankenhaus. Dieses Mädchen konnte nicht laufen, nicht sprechen, war sehr klein und zierlich und machte eher so den Eindruck eines 1 jährigen Kindes.

Das Mädchen hatte unter anderem kein richtiges Schmerzempfinden und biss sich – immer wenn sie eigentlich weinen wollte – quer in Daumen oder Zeigefinger. Die Finger waren schon verformt und immer wieder blutig. Man konnte immer nur dick verbinden und hoffen, dass es stand hält. Diese Maus bekam zwar immer mal wieder Besuch von ihrer Mutter, aber war auch viel alleine.
Um die Motte durfte ich mich intensiv kümmern, weil sie eigentlich gar nicht essen wollte, sich die Nasen-Magen-Sonde aber immer wieder zog. Wir wollte sie so gern von der Sonde entwöhnen, weil es natürlich auch immer eine Qual war die Sonde neu zu legen.

Schnell war Weihnachten da und auf der O3 wurde jedes Jahr, da es ja um viele geplante OPs ging, versucht die Satin zu leeren, damit so wenig Kids wie möglich über die Feiertage im Krankenhaus liegen mussten.
Wir behielten also insgesamt nur 4 Kids über die Feiertage da. Dabei die Motte.
Bei der Motte lag noch ein weiteres Kind, dass erst wenige Monate alt war und dessen Mama fast durchgehend da war.
Die Dienste über die Feiertage waren immer durch eine Schwester und eine Schülerin abgedeckt.

Mich traf es … das erste Weihnachtsfest auf Station. Und ich war nach Weihnachten dankbar darüber!

Die Motte hatte sich im Vorfeld schon sehr an mich gewöhnt und hat so langsam Fortschritte beim Essen gemacht.
In den Spätdiensten hatte ich viel Zeit zum Blödsinn machen. Motte und ich haben im Zimmer getanzt und gesungen, Buden gebaut aus dem Gitterbett und Freudensprünge für fast jeden Löffel den die Motte gegessen hat.

Am zweiten Weihnachtstag hat die Kleine zum ersten Mal von selbst auf etwas Essbares gezeigt und wollte es haben. Ich hab mich soooo gefreut, dass ich ihr davon gab. Es war ein Kuchen den die Schwestern geschenkt bekommen hatten.
Sie ass ein Stück und verlangte ein weiteres. Auch das gab ich ihr. Sie aß auch dieses, aber nicht mehr ganz.
Als dann die Schwester wieder kam erzählte ich ihr das freudestrahlend. Die Motte war inzwischen eingeschlafen.

Die Schwester verfiel in schallendes Gelächter.

Etwas verdutzt fragte ich sie, wieso sie nun lacht.

Die Antwort war logisch: Ich hatte der Motte 2 dicke Stücke „Kalten Hund“ gegeben.

Wer es nicht kennt …. in dem Rezept ist Rum … nicht zu knapp … und der Kuchen wird nicht gebacken … also is nix mit dem verflüchtigen des Alkohols.

Gute Nacht Motte … hoffentlich bist du damals nicht zu beschwipst eingeschlafen….

Motte ist zu Silvester entlassen worden. Einmal sollte ich sie noch wieder sehen. Kurz nach Silvester kam sie wieder, aber auf eine andere Station – Innere … sie hat zuhause das Essen wieder verlernt.

Wenn es Motte heute gut geht müsste sie 20 Jahre alt sein.
Ich hoffe es geht ihr gut!

Gute Nacht Welt,

Euer OSHchen

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